Anstehende Herausforderungen für das Familienzentrum

Thüringer Allgemeine, Lokalnachrichten vom 12.03.2025

Pia Schröter und ihr Team vom Kerbschen Berg stehen vor großen Herausforderungen. Noch weiß man nicht, wie es mit einem Kurs für Eltern mit Babys nach einer drastischen Kürzung von Fördermitteln weitergeht

Silvana Tismer

Dingelstädt Ein Kind wird geboren. Bei den jungen Eltern, den Großeltern, der gesamten Verwandtschaft und im Freundeskreis ist die Freude groß. Es sind aufregende erste Tage und Wochen. Aber dann beginnt der Alltag, der nicht immer einfach ist. Die jungen Mütter und Väter brauchen sehr oft Rat und Hilfe, die nicht immer die Familien geben können.

Doch es gibt Angebote im Eichsfeld, und zwar eine ganze Menge. Da sind zum Beispiel die Frauenzentren und das Familienzentrum Kloster Kerscher Berg in Dingelstädt. Eine wichtige Säule in der Familienbegleitung sind die Pekip-Kurse. Die Abkürzung Pekip steht für Prager- Eltern-Kind-Programm. Ab dem vierten Lebensmonat können sich mit diesem Angebot junge Eltern begleiten lassen, sich austauschen und bei Problemen Hilfe finden. Die Kurse sind bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres des Babys ausgelegt.

Pekip-Kurse sind alles andere als reine Spielnachmittage „Es sind sogar Präventiv-Kurse", erklärt Pia Schröter, die Leiterin des Familienzentrums. ,,Unsere Elternbegleiterinnen erkennen Problemlagen und destruktive Entwicklungen. Wir sehen Traumata, Depressionen, wir sind sogar eine Art Trauerbegleitung, führen natürlich vertrauliche Gespräche und vermitteln an weiterführende Hilfen bis hin zu Psychologen." Auch emotionaler Stress, Schlafmangel und Fragen zum Handling und der Gesundheit der Kinder gehören zum Alltag in den Gruppen. ,,Wir erleben eine große Bandbreite an Problemen und Sorgen in so einer neuen Lebensphase. Besonders Alleinerziehende und zugezogene junge Familien beschreiben das Familienzentrum als wichtige Anlaufstelle."

Pia Schröter und ihr Team machen nicht minder oft die Erfahrung, dass solche Problemlagen klischeehaft am finanziellen Status festgemacht werden. ,,Gerade junge Leute, die Eltern werden, haben finanzielle Probleme, egal aus welchem Milieu sie kommen." Das führe oft genug dazu, dass es nur bei einem Kind bleibt. Der Mut für ein zweites oder drittes Kind schwindet, was die sinkenden Geburtenzahlen auch im Eichsfeld widerspiegeln. Selbst einige Krankenkassen unterstützten die Eltern anteilig in der Finanzierung des Teilnehmerbeitrags, woraus aber keine Doppelförderung abzuleiten sei.

,,Wir haben Eltern aus allen sozialen Schichten bei uns, aber die Herkunft spielt hier überhaupt keine Rolle. Hier ist jeder gleich." Vielmehr würden sich die Eltern sogar gegenseitig bereichern, viel dazulernen, es entwickeln sich oftmals lebenslange Freundschaften.

Allein 2024 liefen auf dem Kerbschen Berg 20 dieser Pekip-Kurse. ,,Diese waren voll ausgelastet." Pro Kurs sind sieben bis acht junge Mütter oder Väter mit ihrem Baby dabei, es gibt jeweils 22 Treffen in den acht Monaten Kursdauer. Es gibt aber auch das mobile Pekip in den Randdörfern des Eichsfelds. Mit beiden Angeboten werden mehr als 50 Prozent der Kinder im ersten Lebensjahr mit ihren Eltern erreicht, rechnet Pia Schröter vor. Insgesamt wurden 1120 Unterrichtsstunden pro Jahr nur bei Pekip geleistet.

Da sind die zahlreichen anderen Angebote des Hauses nicht mit eingerechnet. ,,Die Geburtenzahlen gehen zurück, aber nicht unsere Anmeldezahlen." Pro Jahr begrüße man im Haus um die 9500 Gäste, 6500 in Kursen und Seminaren, 3000 bei Veranstaltungen wie zum Beispiel die Frauenwallfahrt.

Auch wenn es kaum einen gesetzlichen Anspruch auf Förderung gibt, konnte sich das Familienzentrum bislang immer auf verschiedene Fördermöglichkeiten des Landes und des Landkreises verlassen. Aber in diesem Jahr mussten Einsparungen vorgenommen werden. So wurde die Förderung für die Pekip-Kurse im Bereich der Frühen Hilfen um 73 Prozent der Antragssumme gekürzt. Statt 15.750 Euro sind es nur noch 4.160 Euro. ,,Ja, ich bin Anfang Februar vom Jugendamt unterrichtet worden, aber ich war geschockt", sagt Pia Schröter. ,,Jetzt kommen große Herausforderungen auf uns zu und dies nicht zuletzt deshalb, weil weitere Kürzungen für dieses Jahr in einem anderen Bereich angekündigt sind."
Programm muss wahrscheinlich zusammengestrichen werden.

Die Programme für das erste Halbjahr sind bereits gedruckt. ,,Von den insgesamt 19 geplanten Pekip-Kursen im Familienzentrum werden wir wahrscheinlich nur noch 14 anbieten können, mit Einschränkungen in der Anzahl der Kurstreffen. Außerdem werden die weiterführenden Eltern-Kind-Gruppen erhebliche Einschränkungen erfahren. Der Träger des Familienzentrums, das Bistum Erfurt, plant, im laufenden Jahr den Eigenanteil für die Kurse von sich aus zu erhöhen", erklärt Pia Schröter. Aber das reiche nicht, um den angekündigten finanziellen Verlust abzufangen. ,,Wenn wir die Preise für die Eltern dann noch enorm erhöhen müssen, vermeiden immer mehr Eltern die Kursanmeldung, obwohl sie gern gekommen wären. Wir wollen jedoch dem eigentlichen Bedarf der Eltern weiterhin gerecht werden."

Man habe immerhin einen präventiven Auftrag, reagiere sensibel auf Notlagen und baue Brücken, vermittle bei Bedarf in weitere professionelle Hilfen. Es sei auch wohltuend zu sehen, wenn Eltern sich mit ihren Babys in den Kursen wohlfühlen und die Bindung zu ihrem Baby noch vertiefen und gut auf die Bedürfnisse ihres Kindes reagieren können. Man werde das nächste Programm des Familienzentrums umstellen und sich auf die Suche nach Sponsoren machen müssen. ,,Glücklicherweise dürfen wir Spendenquittungen ausstellen", sagt Pia Schröter mit einem bitteren Lächeln.

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